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Sonntag, 24. Februar 2013

Betreutes < incl. U n z u c h t>

BetreuungsEinheiten

Betreutes … Wohnen.
Ja, ganz aktuell, sozusagen betreut aktuell; ganz attraktiv, sozusagen, ja, Sie haben Recht: betreut attraktives Wohnen:


Aber, was gibt es nicht mehr. als „betreut/betreute/betreutes“ Nomen/Verbum?

Betreutes Regieren.
Betreutes Denken.
Betreutes Nachdenken.
Duden erklärt alles:
Betreutes Mittelhochdeutsch. Transitives Nuscheln. Ein Amt erledigen. Nachfragen nicht beantworten:

Betreutes Schwulen.
Betreutes Onanieren.
Betreutes Splitting. (Vorsicht: Nomen!)
Betreutes Demonstrieren.
Betreutes Fußball spielen.
Nein! Alles nicht!
Betreutes Rumbrodern?
Ach, nee!
Betreute Papstwahl.
Ach, nee, nix mit betreuter Religion!
Die betreute Sehnsucht. Ja, auch die betreute „Heimatsehnsuchtsverräterei“, die dem Reinhold Messner, dem philosophischen Kopf des betreuten deutschsprachigen Bergsteigens, anzulasten ist.
Und, ich erinnere mich, der filmisch betreute Tod des Winnetou.
So viel betreutes Weinen gibt es derzeit in den Kinosälen nicht.
Oder ist Hanichs betreute „Liebe“ ein weiter entwickelter Fall?
Betreute Serengeti. Betreute Zebras.
Betreuter Her Lichter. Betreuter Schnurrbart von Herrn Lichter. Betreute Butterfässchen. Ravensburger Butterfässchen.
Aber: Warum „Schnurr“ beim Schnurrbart? Warum soll der Schnurren?
Da steckt was anders dahinter. Schnorren?

„Stupidedias“ Etymologie-Versuch spricht Bärte, äh: Bände:
„Das Wort Schnurrbart setzt sich aus den Wörtern Schnurr (das soviel wie Brumm bedeutet, da viele Schnurrbartträger in denselben hinein brummen) und Bart (angelehnt an Bart Simpson, der aber gar keinen Schnurrbart hat) zusammen. (…)“

Ja, Duden bringt den von der „Schnauze“ oder dem „Schnauz“ oder „snurre“ (ndl.) betreuten Schnurrbart zur Geltung:
http://www.duden.de/rechtschreibung/Schnurrbart

Und der von der Werbung betreute Lichter?
http://www.xad.de/?action=detailansicht&id=167425&backlink=search
Ja, ich sehne mich nach dem betreuten Betreuen.
Betreute „Liebe zur Wahrheit“ im betreuten Internet:

Reinhold MessnerHeimatSehnsuchtsBetreuung

Betreue Glücksvermeidungsverhaltenstechnologien (ja, schon im Plural): Da setzt es Stromstöße, ach, was: -impulse

Betreute?
„Und das Armenhaus“! Wie?“
„Ja, Haus, in dem Arme untergebracht und betreut werden“.

Und auch das noch:
Betreutes „Tschö! Wa!“-Sagen.


P.S.:
Die betreue Unzucht I

Anteil der Paedophilen an der deutschen Bevölkerung ..und an der Geistlichkeit der Katholiken: mit Prof. Dr. SonstwieErzähler und TalkshowKundler Hans-Ludwig Kröber geht gegen 0,1%.
Die philologische (?) oder die pädophile (?) oder die anthropo-, pädo- et theophile(?) Auswahl der Priester:
Oder
Unsere Erzpsychiater wachen, pardon: Waschen ihre Hände in Unschuld.

In priesterlichen Reihen finden sich demnach nicht auffällig viele Pädophile. "Diesbezüglich zeigen sich keine bedeutsamen Unterschiede zu Erhebungen in der deutschen Allgemeinbevölkerung", sagt Gerichtspsychiater Norbert Leygraf.
Auf solche Fachleute kann man verzichten.

Leygraf, Hans-Ludwig Kröber, Friedemann Pfäfflin und Andrej König:
http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/sexueller-missbrauch-in-kirche-bischofskonferenz-stellt-studie-vor-a-871614.html

Was für herrliche Kenntnisse, wenn Fachidioten sich der kath. Kirche andienen:
Hat die Kirche sich nicht einen wunderbaren Selektionsmechanismus erarbeitet:
Qualifikation: Messdienerseligkeit, gymnasiale Jugendausbildung, Abitur, Studium Theologie,
Bischöfliche Auserwältheit,
Göttlichkeitsinstumentarium des priesterlichen Selbstverständnisses,
Gebetsakklamationen , Exerzitien, geistliche Tagungen,
Selbsteinschätzung als Priester mit (fast) täglichem Messedienst, immerdortige Einverleibung des Göttlichen,
Sozialisation in der eigenen Altersgruppe, der Weihegruppe,
Lebenslange Huldigungsmechanismen durch Gemeinde, Ort/Stadt

Die unbetreute Unzucht II:

Dieses herrliche Selbstverständnis, die himmlische Auserlesenheit, samt irdisch-perfekte Selektion – sie erbringen nichts mehr an sozialer und moralischer Integritiät…?

Die betreue Unzucht III:

Es muss Gott dem Herrn gefallen, was sich im Tempel an (Tempel-)unzucht zuträgt.
Oder brauchen Papst, Bischöfe, Priore, Äbte, Dekane, Dekantsdechanten … und alle Priesterlein solcher Art die Exculpation.
Kein Wunder, dass dem Kriminologen Pfeiffer die Untersuchung der Männerherrschaft in der katholischen Landen, Gauen oder günstigen Ortschaften und Dienstgebäuden oder auf übergriffigen Urlaubsinseln .. entzogen wurde.
Kirchemann will allein mit sich und seinen Perversitäten bleiben. Amen!

Die kirchliche Art, mit Missbrauch und Dogmatismus fertig zu werden: Man lässt wissenschaftliche Erfassung und Analyse nicht zu:
http://www.kfn.de/versions/kfn/assets/presseerklaerung090113.pdf

Göttliche oder bischöfliche, männliche Auserlesenheit ...

qualifiziert nicht zum kommensurablen Umgang mit seinen Genitalien. Opfer sind nicht nur die Zölibatären ... sondern vielmehr die Kinder.


Betreute UN-Zucht, ad ultimum diem


Wer also eine Korrelation herstsllen wiwll zwichen der Gesamtbevölkerung der Bunderepublik Deuschland und der auserlesen-selektiv-hochgebildeten Auswahl der Preiseter, kannn sicherlich die Verhältnisse nicht falsch einschätzen, wenn er den vollumfänglich krirminellen Tatbestand der Pädophilie mit 100 : 1 ansetzt.
So viel Gerechtigkeit für qualifizierte Erziehungs- und gewollt-sprirutelle Isolationsprozesse muss geschuldet sein.

Samstag, 23. Februar 2013

Fragen Sie nicht immer Dr. D#pp! Folge IV

„Forever dämlich.“

„Wen meinze damit? Dich und die Deinzen? – Skandal, Skandal im Sperrbezirk!“

„Skandalisieren tun? Ja? Watt heißt datt woll?“

„Ja, wenn ein Skandal vorliegt. Dann nennt man ihn „Skandal“! – Aber, wenn ich da fehlskandalisiere?“ „D. h. Du meinz mich mal: Es liegt da kein Skandal auf der Straße – oder auffe Schlachtbank oder im Kanzleiamt – ja, dann, hasse keinen Skandal. Aber du hass ihn so genannt.“

„Ebn!“

„Daran kann ich mich gahnich erinnern“, sagte einmal Tucho.“

„Und datt hass dich gemeäkt?“

„Abba. Ick kann doch ganich anders!“

„Such dich datt malraus.“

„Watt unwie?“

„Ja, de Schreiba, de Poet vonnet Sprüchsken: ‚Je größer der Mann, desto leichter trifft ihn der Pfeil des Spottes. Zwerge sind schon schwer zu treffen.’“

„Wat damit willze mich woll nich treffen, watt?“

„Ja, unn der hat von die Zwerge au dattnoch gesacht: ‚Der Zwerg, der auf den Schultern des Riesen steht, kann freilich weiter schauen als dieser selbst, besonders wenn er eine Brille aufgesetzt (…)’“

„Ja, ich kann au ohne mit Brille gut sehn! – Unn datt von diese Meista kuck ma selba nach. Goethe wirdet ja nich gewesen sein. Oda? – Unn beleidign muss man sich nich odda? - Datt is wie Treten inne Eier ohne Gonatetenblech.“

„??“

„Wie datt kennze nich, du Proll. Kuck mal bei Dr. Depp sein Wörterbuch nach. Tach auch! – Ich muss mich umziehen. Da klemmt watt in Mein-sein-Schritt. Abba volle Kanne mittet Skandal!“

Der Andere, nich Heinz kuckt ma nach, auf Heinz sein Wo-er-gelesen-hat-Klapprechner**] (ob mit oder ohnemit Prallkissen-Polster:
http://www.canoo.net/services/Controller?input=Gonadenschutz&MenuId=Search&service=canooNet&lang=de

„Datt is aber kein Skandal“, tippt der Andere dem Heinz in sein Tablett. „Dat is nur ein VerSprecher. Dafze ebn nich ablesn tu wolln.“

Nun, gut: Einfrisches Verb; mit dem Bildungselement –ieren. Von „studieren“ oder „informieren“ bis „desinformieren“; -ieren“: Fremdsuffixe verbinden sich vor allem mit modernen Fremdwörtern, meist technisch kundige Nomina.
http://www.canoo.net/services/WordformationRules/Derivation/To-V/Suffixe-F/ier.html
„Wie? – Ja: Alez hopp“. Ja, da will ich wohl ein bisserl hoppieren.“

„Zugleich haben die Ausgeschlossenen - anders als das Proletariat im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert - jegliches Machtpotential eingebüßt, da sie nicht mehr gebraucht werden. Ihnen bleibt nur die nackte Gewalt, um ihre Lage zu skandalisieren . Schließlich brechen sich die verschiedenen Unterabstufungen der Armut noch einmal in einer ‚doppelten Relativität’. Die ‚einfache Relativität’ der Armut meint eine Relativität der Maßstäbe; diese besagt: Es gibt keine absoluten, nur relative Maßstäbe der Armut, die jeweils für bestimmte weltgesellschaftliche Regionen - z. B. Afrika, Asien und Europa – gelten.“ (Ulrich Beck, der Wortgewandte: Ulrich, Was ist Globalisierung? Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1997. S. 166)

„Genug?“
„Ja, ich will genugieren. Und dankieren. Und finieren.“

„Hej – hör nomal zu: Duden lässt es schon offen: „etwas zu einem Skandal machen; Anstoß nehmen“:
Clier mal selber, beim klapprecherchieren:
http://www.duden.de/rechtschreibung/skandalisieren

« Eben ! Ein Skandal ! »

Zum diesjährigen Frühling? M ö r i k e !


Zusammengestellt von Anton Stephan Reyntjes


Du bist ins Leere entschwunden, aber im Blau des Himmels hast du eine unfaßbare Spur zurückgelassen, im Wehen des Windes unter Schatten ein unsichtbares Bild. (Rabindranath Tagore)




9. März 1829 - ein Frühlingstag der deutschen Lyrik



Eduard Mörike schreibt sein Frühlingsgedicht "Er ist's!"



"Frühling läßt sein blaues Band
wieder flattern durch die Lüfte ...“

- Mörikes so suggestiv-einfaches, schon vom Text her stimmig-liedhaftes Bekenntnis zum blauatmosphärischen Lenz ist sicherlich eines der bekanntesten deutschen Frühlingsgedichte, wenn nicht gar das bekannteste überhaupt, ebenso ein lyrisch elementarer wie poetisch komplexer Fall naturnaher Dichtung, genauer gesagt: ein sowohl ökologisch als auch denkbiologisch oder wahrnehmungspsychologisch interessantes Exemplum für Kunst wie Leben, für Ästhetik wie Gefühlsökonomie, beides darf nicht als pathetisch-empfindelnd oder naiv-unreflektoert und einfältig gleichgestellt werden.
Als Vikar in Pflummern, nahe Riedlingen an der Donau, im Dekanat Münsingen, schrieb Mörike das Gedicht am Vormittag des 9. März 1829. Dort saß er, fühlte sich unglücklich, obwohl oder gerade weil er in der zweiten Hälfte des Jahres 28 den Ausbruch aus der von ihm so benannten "Vikariatsknechtsschaft" geprobt hatte. Aber seine Versuche, außerhalb der Kirchenverwaltung eine Hofmeister- oder eine Bibliothekarsstelle zu finden, scheiterten. Auch die einschneidendste Veränderung, zu der er sich beruflich entschied, nämlich als Redakteur für eine projektierte Damenzeitung in Stuttgart beim angesehenen Verlag Franckh zu arbeiten, war kläglich gescheitert - auf Kommando oder nach Druckterminen Aufsätze oder Erzählungen zu schreiben - nein, da befielen ihn Bauchschmerzen, ihn, der ohnehin psychosomatisch so anfällig war seit seinen Kindertagen und von Mutter und Schwester häufig unter medizinische und psychologische Kuratel gestellt wurde. "Ärger als je vom Predigtmachen", so klagt er selber, wurde ihm von dieser anfangs so hoffnungsvoll angestrebten Redakteurstätigkeit. Sein Abgang aus München war eine Flucht gewesen; er verließ den Verlag, ohne die Vorauszahlungen des Verlegers abgeleistet zu haben.
Sein Wiedereintritt in den Kirchendienst - was bleibt ihm anders übrig nach seiner theologischen Ausbildung und dem drittklassigen Abschluß des priesterlichen Kandidatenexamen? - erfolgt als Pfarrverweser in Pflummern, wo die Mutter ihm den Haushalt führt. Am 9. März schreibt er dort das Gedicht, das später am häufigsten in der deutschen Literatur kritisch parodiert oder einfühlsam, liebevoll umgestaltet wird in Kontrafakturen, Nachempfindungen oder Variationen.
Als Prozeß der Wahrnehmung, die alle Sinnesorgane und Mörikes so eigentümlich differenzierendes ästhetisches Fühlen und poetisches Reflektieren betrifft, ist es ein lyrisches Kunstwerk, ein unvergleichliches Kleinod und Empfindungsmodell aus der Zeit des deutschen Biedermeier geworden; der Epoche, die zwischen Restauration und Revolution sich so typisch schlafmützig und deutschtümelnd verstand, wie später nur noch die Adenauerzeit der 50er und 60er Jahre. Die Genauigkeit der beschriebenen Empfindung vermittelt jedem, der den Text liest, aufsagt oder mithört, vom Deutschlehrer erzwungen oder ihn freiwillig nachsummend, ein unmittelbar suggestives Verständnis, eine psychisch eindrucksvolle Abfolge der Wahrnehmungen und Sinne, eine erlebnismäßige Umittelbarkeit ohne Interpretationszwang. Wer den Text näherhin befragt ob dieser direkten Wirkung, ihn untersucht wegen seiner scheinbaren Einfachheit, kann eine merkwürdige Abfolge der Wahrnehmungen nachvollziehen; ein Denkbiologe aus der ökologischen Schule Eric Vesters etwa würde heute sagen, Der Text leistet eine optimal vielfältige Aufnahme mit allen menschlich verfügbaren, leider heute häufig degenerierten oder allergisch überreaktiven Sinneskanälen und Apperzeptionsleistungen.
Der Vikar Mörike, nein, der Naturfreund Mörike, erst 24 Jahre alt, geht aus von einem optisch-sinnlichen Allgemeineindruck, vielleicht morgens auf den Himmel gerichtet: Im vorherrschenden Grau der Atmosphäre beobachtet er Streifen, Bänder neuen verheißungsvollen Blaus, atmosphärisch auffällige Streifen der neuen, der kalendarisch zu erwartenden Jahreszeit, wie sie im Schmuddel-Winter nicht festzustellen sind; sie sind vermittelt durch den wieder beobachtbar hohen Himmel, durch bessere Fernsicht. Diese Frische, dieses Neue im Gesichtskreis wird unterstützt durch das Geruchsmäßige, ein intensives olfaktorisches Moment; süße "wohlbekannte Düfte". Hier erinnert sich ein sensibler Erwachsener der Gerüche des letzten Jahres, des letzten Frühling, er saugt sie interessiert ein, es wird ein landerfüllender Eindruck, er dokumentiert eine Spezialität des teilnehmenden Beobachters, der seine Nase noch zu gebrauchen, seine Erinnerung zu aktivieren weiß. Es ist Zeit für seine staunenden, begehrenden Gedanken, sich in der Nähe umzusehen, die Veilchen wahrzunehmen, sie "träumen schon"; sie sind noch nicht erwacht zum Leben; der Traum, weiß dieser Sinnenmensch, geht dem Aufwachen unmittelbar voraus; auch wenn dem Dichter damals, am Anfang des 19. Jahrhundert noch keine Traum-Analysen aus Schlaflabors vorlagen, war die Genauigkeit solcher Beobachtungen und Lebensregeln von Menschen, die ganzjährig den natürlichen Lichtbedingungen des Tages und der Nacht unterworfen waren, elementar einsichtig; die Veilchen werden aufwachen und jeden, der hingucken kann, mit ihrem traurig-wehmütigen Gesicht anschauen; denn die Horn-Veilchen gemeint sind, die hier zu Mörikes Lebenszeit noch in der freien Natur wachsen, sich aber auch schon in Menschennähe, von Gartenfreunden kultiviert, finden: die Viola vulgaris, ein kleingesichtiges, blaues bis blaugelbes Blütenbild, ein verkleinertes Stiefmütterchen. Immer stärker vermenschlicht der Dichter seine bisherigen Eindrücke - seine Gefühle, seine eigenen Wünsche sind es, die sich artikulieren im Wechselspiel mit dem Draußen: als "ahnungsvoll" anthropomorphisierte Mörike schon die Streifen des Blaus; den Veilchen unterstellt er, dass sie "balde" kommen "wollen". Dieses Zusammenspiel von akustischen und ahnungsvollen-traumhaften Eindrücke und eigenen, psychischen Antworten und Sehnsüchten zieht jetzt ein reflektierendes Fazit der psychischen Reaktion: "Ich hab dich vernommen", den Frühling nämlich. Und dass man zu Anfang des vorigen Jahrhunderts diesen so natürlichen wie mythologischen Lenz mit seinen Bändern noch spontan herzlich als Freund begrüßen, als Naturkonstante begehen konnte, kann jeder Leser, jeder Leser oder Hörer einer Liedfassung nachvollziehen, wenn er überlegt, was alles für die Menschen nicht vorhanden war, um lebend oder wenigstens gesund durch die Wintermonate zu kommen: kaum eine ausreichend gesicherte Existenz durch Nahrungsmittelvorsorge, keine bequeme, speicherbare Energie, keine im modernen Sinne wirksame Medizin, nachzuweisen an dem Lebensdurchschnittsalter des damaligen Menschen von knapp vierzig.
Die nachvollziehbare Wirksamkeit und bis heute populäre Bekanntheit dieses Kunstdiamants Naturlyrik (nicht nur erzwungen durch Deutschlehrer-Lieblings-Hausaufgaben) läßt sich auch nachweisen an den Parodien oder Kontrafakturen - es lassen sich mehr als zehn zusammenstellen; selbst Goethes "Erlkönig" oder Schillers "Lob der Frauen" sind nicht so häufig verfolgt oder verhohnepipelt worden. Und das Gedichtchen reizt immer noch zum neuen Variieren, egal in welcher Jahreszeit, da es in der Kürze und Klarheit erinnerungsmäßig und ästhetisch immer verfügbar ist. Die besten und schönsten, weil sie sich unterschiedlicher Stilmittel, differenzierter Bezüge zum Mörike-Original und eigenständig-individueller Intentionen bedienen, werden hier mit der obligaten jahreszeitlichen Frage verbunden: Was bleibt von Mörike, was ist originär Neues in den Parodien, oder besser ausgedrückt, in den Kontrafakturen, da sie das Original nicht vernichten oder lächerlich und natürlich auch nicht können, auch wenn sie es wollen.
Über Jahrzehnte galt es, immer diesen scheinbar leichten Text, sozusagen empfindungsreich und mit der entsprechenden sentimentalen Verzückung nachzuvollziehen und stimmungsvoll vorzutragen. Jedoch haben sich auch Gegentendenzen entwickelt bei lediglich affirmativem Klassikverständnis.
Immerhin ist der zweite Text auch älter als dreißig Jahre:

Karl Krolow:
Neues Wesen

Blau kommt auf
wie Mörikes leiser Harfenton.
Immer wieder
wird das so sein.
Die Leute streichen
ihre Häuser an.
Auf die verschiedenen Wände
scheint die Sonne.
Jeder erwartet das.
Frühling, ja, du bist's!
Man kann das nachlesen.
Die grüne Hecke ist ein Zitat
aus einem unbekannten Dichter.
Die Leute streichen auch
ihre Familien an, die Autos,
die Boote.
Ihr neues Wesen
gefällt allgemein.


Geschrieben ist das nur vom Hören her kaum vollständig verstehbare Gedicht 1967. Der stark reflektierende, schon philosophisch-hermeneutische Text stellt eine attraktive Mischung dar aus Begriffsprosa und lyrischen Zeichen. Krolow, einem der wichtigsten Gegenwartslyriker deutscher Sprache, zeichnet die Verunsicherung der vorgeblich reinen Naturerfahrung nach. Pure Natur gab es im strengen Sinne auch schon bei Mörike kaum noch, außer im Kitsch, also zum Beispiel im deutschen Schlager; die Natur ist längst ein kulturell-technisch vermitteltes Konstrukt, nicht nur in unserer Zeit; es kann kein Naivitätskult sein, der mit dem Frühling aufgezogen wird; es ist menschlich-poetischer Standard, die vermittelte Position des Autors in seiner Zeit, in seiner Umwelt aufzuzeigen. Natur ist immer Spiegel humaner Bedürfnisse, Abbild menschlicher Möglichkeiten, Perspektive ästhetischer Utopien.
Hätten Sie Lust zu schätzen, aus welchem Jahr die nächste Variation stammt?


Manfred Hausin:
Lied vom Gifttod

Gifttod läßt sein Würgeband
einfach flattern durch die Lüfte;
schwere, unbekannte Düfte
streifen unheilvoll das Land.
Gifttod freut sich schon,
will gar balde kommen.
- Horch, von nah ein leiser Sensenton!
Gifttod, ja du bist's!
Dich hab ich vernommen!

Dieses Sprachspiel mit dem ursprünglichen Gedicht und wichtigen Faktoren unserer modernen Lebens- und Industriewelt ist schon 1971 veröffentlicht worden. Es ist also bereits dreiundzwanzig Jahre alt und stellt ein frühes, sympathisches Beispiel naturnah und ökologisch orientierter, lyrischer Wahrnehmung der klassischen Literatur und der ihrer Entsprechungen in der Gegenwärtigkeit unserer Umwelt dar.
Was ist nun aber überliefert vom jungen Mörike, aus seiner Existenz als Vikar in Pflummern, einem Örtchen auf der schwäbischen Alp, wohin es ihn nicht freiwillig, etwa um einer pastoralen Begeisterung der Katechese und der Predigt willen, gezogen hat.
Wie sah nun Mörikes Lebenszusammenhang, sein lyrischer Soziotop aus? Was nun steht für Mörike im März des Jahre 1829 dem kristallin-sensiblen Diamant der lyrischen Kunst in seiner privaten und beruflichen Existenz gegenüber? Nehmen wir den 26. März heraus! In seinem Brief an den Freund Johannes Mährlen formuliert er folgende, private und geistliche Kernaussage zu seiner Situation: Er übertreibt nicht, sondern sucht Verständnis beim Freund, der schon seit der gemeinsamen Uracher Seminarzeit sein Vertrauter ist, dem er nichts vormachen kann, wenn er schreibt: "Du hast keinen Begriff von meinem Zustand. Mit Knirschen und Weinen kau ich an der alten Speise, die mich aufreiben muß."
Für beide klingt mit diesem Begriff der Speise sowohl der faustische Lebenszweifel, aber auch der spezielle Lebenszwang der geistlichen Profession an. Mephisto ist hier verpackt:
"O glaube mir, der manche tausend Jahre
An diese harten Speise kaut,
Dass von der Wiege bis zur Bahre
Kein Mensch den alten Sauerteig verdaut."
(Faust V.: 1776-79)

Aber Mörikes Lebensklage geht noch weiter: "Ich sage Dir", und er meint den Freund, "der allein begeht die Sünde wider den heiligen Geist, der mit einem Herzen wie ich der Kirche dient". Er zitiert und vergegenwärtigt hier dem Freund und Theologen seine berufliche crux, seine Lebenslüge: Priester sein zu müssen, obwohl er sich der geforderten Normierung nicht sicher ist, ja sich nicht berufen fühlt. Die angespielte Matthäus-Stelle ist brutal eeinach und fordert Ehrlichkeit: "Wer aber wider den Heiligen Geist redet, dem wird weder in dieser noch in der kommenden Weltzeit verziehen".
Kein Wunder, wenn Mörikes Körper ob solcher gegen seine Überzeugung geleistete Amtstätigkeit permanent psychosomatisch und geistig rebelliert. Seine Psyche aber kann in ihrer poetischen Verdichtung eine Wahrnehmungsfreude, eine Hoffnung assoziiren, die Jahrhunderte überleben wird.

Ein Mörike-Forscher formuliert es vornehm-neutral: "Er, Mörike, zweifelt erneut und existenziell an seiner Tauglichkeit für den kirchlichen Dienst und sieht sich nach Möglichkeiten um, dem schwäbischen Landpfarrherrendienst zu entkommen. Er mag alle seine kognitiven und emotionalen Sinne und Beziehungen angestrengt haben!
Und was schrieb er, am Knüppeltisch seiner Vikariats-Existenz in einem hochgnädig verfaßten Brief an das Landeskonsistorialamt in Stuttgart?
Ein Bittgesuch um Anstellung als Pfarrer in Pflummern.
Sein Leben im Kirchendienst, mit seinen so stark reduzierten sinnlichen Eindrücken (nur feucht blühender Kalk an den Wänden, ein bißchen Weihrauch, ein Stückchen Moder-Gewänder aus ungeheizten Sakristeien, ein trostlos muffiger Geruch aus den Predigt- und Liedbüchern, aus trostlosen Verpflichtungen, Überprüfungen auf religiöse-moralisch-politische Rechtschaffenheit an Spinn- und Singabenden in den Stuben seiner Gemeinde durchführen zu müssen, ihren erzwungenen Einschränkungen auf nur noch äußerlich funktionierende Liturgie und ein behindertes Wort an unleidliche, nicht fesselbare Zuhörer, anstelle des großen, freien, ästhetischen Hauchs der Poesie, der Möglichkeiten, sich und anderen in der Literatur zu dienen:
Eine private und poetisch-professionelle Tragödie - der er auch durch eine Pensionierung mit 38 Jahren in Armseligkeit und permanenter Not nicht entkam.“ (Peter Härtling, Zitat fehlt hier.)

(Vertonung: "Frühling, ja du bist's!")

Sein eigener Lebensfrühling war es nicht; schon in ersten Briefzeugnissen fällt neben der sprachlichen Virtuosität das dauernde Aufzeigen von romantisch hoher Gestimmtheit, von lustvoller Erinnerung, der beständigen, schon früh und häufig verzweifelten Suche nach Übereinstimmung von Denken und Fühlen, der Abwehr von Mißstimmungen durch das Herausfühlen von schönen und anregend glücklichen Momenten, seiner Sehnsucht nach Harmonie, die er in der Natur erlebte - besser gesagt erahnte: denn auch hier, im Kunstwerk des Gedichts, ist sein eigener psychicher Anteil mindestens so groß wie der objektiv-äußere der Natur.
Im Frühlingslied, seinem biedermeierlichen poetischen lyrischen Diamant menschlicher Stimmung und Sehnsucht nach Vollkommenheit, besang Mörike diese Utopie des Natürlichen, des Sozialen und des Psychischen, auch in anderen klangreichen, liedhaften und leidnahen Gedichten.
In seinem Leben zog dieses Allzu-Nahe, Allzu-Intensive, so stark Emphatische des Lebendig-Natürlichen, des Freiwillig und Freigiebigen an ihm vorbei als einem extrem mitleidenden Empfangsorgan. Trotz bester, ja extremer Aufnahmemöglichkeiten lyrischen und mitmenschlichen, ja elementaren körperlichen Empfindens. Oder gerade wegen dieser Begabung?
"Er ist’s!" Diesen Jubelruf - wie oft mag Mörike ihn verwendet haben, wenn er einen geliebten Menschen, der sein Ankommen angekündigt hatte, herankommen sah? So wurden die Freunde erwartet, egal ob in Pflummern, später in Ochensenwang und dann in seiner selbständigen Pfarre Cleversulzbach: Freunde in großer Zahl, in intensivstem Kontakt, so bezog er von seinem Lebensfreund Wilhelm Hartlaub ganze Pakete mit Predigttexten zum Beispiel. Diese lyrisch-gestische Übertragung von einer sozial und psychischen Kontaktaufnahme auf die Natur aber
funktioniert nur ästhetisch, nur im Kunstwerk, ob Gedicht, ob Lied; sie kann nicht sozial, nicht beruflich-pragmatisch, nicht im Lebensentwurf funktionieren. Pech für den Menschen guten Willens, für Mörike! Doch seine Gedichte, seine Lieder sind häufig exerziertes Paradebeispiele für die Rezeption von Gefühligkeit, von dussligem Sentiment. Hätte Mörike auch diesen Standard einer oberflächlichen, trivialen Gefühlskultur psychisch repräsentiert - er hätte seine Lyrik anstandslos und leichthin verfaßt, er hätte auch beruflich das Durchschnittsmaß eines württembergischen Landpfarrers für Taufe, Abendmahl und Predigt verkörpern können. Er hätte weniger wahrnehmen, weniger erfassen können müssen; er hätte kaum, vielleicht gar nicht gelitten an den Gesichtern der Veilchen, der Starrheit der Predigtstühle, der Amtspflichten, der Versteinerungen aller Art in seiner Umgebung, der Illusion seines Lebensentwurfs. Er wäre nicht tradiert worden für den Literaturunterricht, für die sanfte, deutsche, gewohnheitsmäßige Liedkultur.
Das blaue Band des Mörikeschen Frühling hat viele Bereiche erreicht, so dass er ein beliebiges, in seinem Kern der Naturbotschaft stets stimmiges Kulturzitat wurde. Ich fand es als Fangzeile in der Heiratsanzeige eines Mannes (53/1,85/76kg), veröffentlicht in der ZEIT vom 19.3.93.
Doch hinter das Kunstwerk, gerade in den Vertonungen von Hugo Wolf und Hugo Distler, tritt das Leben Mörikes zurück ins vergessbar Individuelle. Es überlebte und wird weiterhin tradiert werden ein Text, der in seiner Schlichtheit ein künstlerisch einmaliges Moment hat. Über hundertmal, weiß die Fachliteratur, wurden "Gebet", "Ein Stündlein wohl vor Tag", "Das verlassene Mägdlein" und "Er ist's" vertont, die berühmtesten, wenn auch nicht die besten Gedichte Mörikes; es sind die Texte, die seit der Jahrhundertwende zu einem festen Kanon der volksliedhaften Gedichte Mörikes gehören; die, scheint's, so eng mit dem Namen Mörike konnotiert werden, dass auch literarische Anthologien und das Angebot in Schullesebüchern in unseren Tagen kaum andere Text aufnehmen, obwohl es viele andere, psychologisch interessantere und künstlerisch bedeutsamere, auch viele satirisch-komische gibt, die man dem verzweifelten oder pensionierten Dorfpfarrer kaum zugetraut hätte.
Erhalten geblieben ist uns ein Gedicht und eine Liedvorlage, die so differenziert realistisch wie intuitiv-sensibel ein Lebensgefühl vermitteln, das für jeden Menschen nachvollziehbar ist: die Freude am neuen Hoffen in jedem Frühjahr - ob auch in Mörikes Leben, muß verneint werden, ob am eigenen, jährlich wieder erwachenden psychischen Leben dessen, der an den Text "glaubt", darf nicht einfach gefolgert werden.

Texte (ausgewählt):

1. Eduard Mörike (1804 - 1875)

Er ist’s

Frühling läßt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
- Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's!
Dich habe ich vernommen.
[e: 9.3.1829]


2. Karl Krolow
Neues Wesen

Blau kommt auf
wie Mörikes leiser Harfenton.
Immer wieder
wird das so sein.
Die Leute streichen
ihre Häuser an.
Auf die verschiedenen Wände
scheint die Sonne.
Jeder erwartet das.
Frühling, ja, du bist's!
Man kann das nachlesen.
Die grüne Hecke ist ein Zitat
aus einem unbekannten Dichter.
Die Leute streichen auch
ihre Familien an, die Autos,
die Boote.
Ihr neues Wesen
gefällt allgemein.
[e.: 1967]


3. Rainer Brambach (1917 - 1983)
Das blaue Band

Das blaue Band, wie Mörike es sah,
flatternd in den Lüften, wo?
Ich sehe einen Kondensstreifen
quer über den Himmel gezogen -
aber die Amsel ist abends immer da
auf dem First gegenüber singt sie ihr Lied
unsäglich -
(D.: 1983)


4. Harald K. Hülsmann ?
Frühling - objektiv

Frühling läßt sein blaues Band ...

Hier irrte Mörike
Ein Schnelligkeitswettbewerb
für Wolken
findet nicht statt

Fest steht nur
dass sich alljährlich
eine gewisse Unruhe
nicht vermeiden läßt

Professor Barnard
könnte das sicher erklären
[D.: 1969]


5. Manfred Hausin ( * 1951)
Lied vom Gifttod

Gifttod läßt sein Würgeband
einfach flattern durch die Lüfte;
schwere, unbekannte Düfte
streifen unheilvoll das Land.
Gifttod freut sich schon,
will gar balde kommen.
- Horch, von nah ein leiser Sensenton!
Gifttod, ja du bist's!
Dich hab ich vernommen!
[e.: 1971]


6. Dietrich Fischer-Dieskau:

» ... der lieblichste Gesang tönte soeben aus dem Zwinger herauf, wo die Tochter des Wärters mit den ersten Gartenarbeiten beschäftigt war. Sie selbst konnte wegen eines Vorsprungs am Gebäude nicht gesehen werden, desto vernehmlicher war ihr Liedchen, wovon wir wenigstens einen Vers anführen wollen. ( ... ) Die Strophen bezeichneten ganz jene zärtlich aufgeregte Stimmung, womit die neue Jahreszeit den Menschen, und den Genesenden weit inniger als den Gesunden, heimzusuchen pflegt.« So führt Mörike in seinem Roman "Maler Nolten" (1832) das Gedicht "Er ist's" vor. Er hatte es 1829 in seinen Vikarjahren niedergeschrieben, und das von vornherein in der Gestalt, in der wir es heute kennen; an eine strophische Weiterführung, wie aus seiner Einführung eigentlich zu entnehmen wäre, hat der Dichter wohl nie gedacht.
Weil die Verse unbefangen aufgenommen werden sollen, läßt Mörike es ein einfaches Mädchen zur Arbeit singen. So kommt es Nolten zu Ohren, der unter der Frühlingssonne nach einer fieberhaften Erkrankung körperlich und seelisch allmählich gesundet. Auch die Andeutung einer Mehrstrophigkeit soll wahrscheinlich einen fiktiven Volksliedcharakter unterstreichen. Gleich zu Beginn das magische, alles Reale ins Überwirkliche steigernde Bild vom »blauen Band«, das der Frühling als handelndes Wesen »flattern läßt« Bild und Bedeutung fließen in eins. Beseelte Natur läßt jede sinnliche Aussage zugleich eine seelische sein, und damit ist die Entstehung des Schwerelosen in Mörikes Lyrik bezeichnet.

Frühling läßt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte,
Süße wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land;
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen;
Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bists!
Frühling, ja du bists!
Dich hab ich vernommen!

Muß hier nicht jede Vertonung auch Verflachung bedeuten? Ganz abgesehen von den mannigfaltigen Rhythmen und den schmiegsamen Metren, »die in keiner metrischen Rechnung aufgehen« (Staiger). Gerade wegen der dem Gedicht bereits innewohnenden Musik gehört »Er ist's« zu den meistvertonten Gedichten Mörikes. Die Worte erwachsen aus einer Stimmung, die zu einem seligen Jauchzer wird, ein Frühlingsahnen, das begeisterten Menschen immer wieder Töne entlockte.
Wolfs feurige, unbändige Natur verströmt sich, ohne doch schrankenlos zu verfahren; dafür steht schon die aba Liedform und das aus Teil a entwickelte Vor und Nachspiel, das Ganze umrahmend. Ein in formaler Strenge gezähmter Ausbruch, vom ersten bis zum letzten Takt ein jubelnder Hymnus auf den Frühling, im Gegensatz zu Robert Schumanns zurückgenommener Verinnerlichung beim gleichen Text.
In: Eduard Mörike: Der Nacht ins Ohr. Gedichte von Eduard Mörike. Vertonungen von Hugo Wolf. Ein Lesebuch von D.F.D. München 1998. Carl Hanser Verlag. S. 33f.)

*
7. Eine Variation auf
Mörikes "Er ist's":

Seht: Geschmolzen Schnee und Eis!
Violett, orange und weiss
Kroken aus der Erde kommen!
Frühling, bist's!
Hab dich vernommen.
Seh' dein flatternd blaues Band!
Süsse Ahnung streift das Land!
Und auch Düfte - Ach, oh, Lenz!
Riechst nach Klo und Pestilenz!
Eben noch von Freud' erfüllt -
schon perdu!
Der Bauer güllt!
(vom taz-Zeichner
und Dichter: TOM (Touché)(Aus: WAZ v. 23.03.02)


7. Text:

P.B. und S.S.:
Er bleibt

Winter lässt sein graues Band
wieder flattern durch die Lüfte;
Kalte, wohlbekannte Düfte
Streifen eisigkalt das Land.
Leise sinkt der Schnee
auf die Erde nieder.
Tiefgefroren ist der See.
Winter, du bist’s wieder!
Dich hab ich vernommen!


*
Pia Binder und Saskia Schillinger sind Schülerinen des Tulla-Gymnasium, Rastatt. -
Nachzulesen inder ZEIT vom 10.02.2013; und von "Zeit der Leser"-Redaktion 18. Februar 2013 um 12:00 Uhr hier eingestellt.


So reizvoll und vielfältig die Kontrafakturen sind, alle erhalten ihren literarichen Reiz durch Mörikes eigentümlich alten, aber fortwährend jungen Text...

Donnerstag, 21. Februar 2013

Ein ander Rücktrittsgesuch

Im Umkreis des Rücktritts des Allerheiligsten Vaters, Papa Benedetto, werden auch andere Formalitäten bekannt.


An Papst
Johannes Paul II,
HERZ-KÖNIG ALLER WAHREN CHRISTEN


FULDAKREIS. BISCHOFSSEKRETARIAT
Geistig-Neustadt.


Lindenlaube im Bischofsgarten 3. Juni 2000


Erzbischof und Stadtpfarrer Dyba,
auf ein Neues erkrankt,
bittet unterthänigst um allergnädigste
Enthebung von dem Bischofsramt und
Pensionierung auf ewige Zeiten.



Päpstliche Geneigtheit! Exzellenz! ERZPRIESTER-KÖNIGLICHE MAJESTAET!



Durch einen Geheim-Erlass der Glaubenskongregation und des Hochpreislichen Consistoriums INQUISITIO MODERNA vom 29. November vorigen Jahrs wurde ich für den Fall, daß ich meinen Bischofstuhl noch immer nicht ohne Geistiggeschrei sollte versehen können, aufgefordert, um Verewigung bis zu meiner Heiligsprechung alleruntertänigst zu bitten. Da ich jedoch das Amt mit heurigem Frühling allein zu übernehmen mir getraute und nur über die Wintermonate noch einen Weihbischof und Generalvikar mir erbat, so wurde diesem Gesuch in der Voraussetzung entsprochen, daß ich mein pressegebetliches Vorhaben alsdann um so gewisser würde vollziehen können. Ich fuhr sonach fort, mich neben meinem Weih- und Gebetsgehilfen in allen Teilen des laut predigenden Medienamtes zu üben und zwar, einige kleinere Anstöße meiner Gesundheit (partielle Arteriosklerose des philogeistigen Herzzentrums; Apoplexie des Aortagrabens) abgerechnet, im Ganzen nicht unglücklich und guter Hoffnung voll. Allein die letztere trübte sich, nachdem ich erst wieder allein stand, sehr bald. Ein allgemeines Schwächegefühl, das mich seit Jahren eigentlich nie verlassen hat und sich bei jeder Art von länger fortgesetzter Anstrengung, vornehmlich bei der physisch geistigen und der öffentlichen Klar- und Direkt- und Stark-Rede zeigte, ist kürzlich in Folge meiner neu übernommenen ungeteilten Amtstätigkeit, in erhöhtem Grade eingetreten. Vermehrter Blutandrang nach dem Kopfe, Schwindel, Kopfschmerz, ein heftiges, nicht selten die politisch mutige Sprache hinderndes Herzklopfen und gegen das Ende ein auffallender Nachlaß der Kräfte waren die Anzeigen, die meine neuesten Vorträge und kirchbischöflichen Verrichtungen teils begleiteten, teils ihnen folgten; besonders auch macht eine, mehr nur im Anfang meiner Krankheit bemerklich gewesene Schwäche der linken Seite des Körpers, und einer Hypertrophierung der rechten Körperseite, zumal im Fuße, sich neuerdings wieder sehr fühlbar. Bei meiner letzten Presse-Katechisation und Auto-Tauchhandlung, nachdem ich für die Fernsehpredigt bereits die Hilfe eines benachbarten Bischofs hatte in Anspruch nehmen müssen, wurde mir so schlimm, daß die Presseöffentlichkeit und die Bischofsgemeinde sowohl als ich selber jeden Augenblick mein Umsinken erwartete. Unter solchen Umständen bin ich nun freilich nicht nur für die nächste Zeit zu allen Öffentlichkeistgeschäften unfähig, sondern ich sehe nach den gemachten Erfahrungen ein, daß, wenn auch, wie ich hoffe, mein gegenwärtig verschlimmerter Krankheits-Zustand ein vorübergehender ist und auf diejenige mittlere Stufe der Besserung zurückzuführen sein wird, auf welcher ich mich noch bis vor wenigen Wochen erhielt, ein wiederholter Versuch, meinem Bekenner-Beruf selbständig nachzukommen, bevor das Grundübel gehoben ist, einen gleichen, wo nicht einen weit nachteiligeren Medienerfolg haben würde; ich sehe ein, daß mir im letzteren Fall durch ein noch schwereres Erkranken alle Aussicht, der Kirche noch einmal zu dienen, ja auch nur meine erz- und vollkatholische Existenz á la Kardinal-Ratzinger auf erträgliche Art zu erhalten, für immerdar expropriiert wäre.

Nachdem ich auf das Neue in mein Bischofsamt hineingegangen war, mit ganzem und redlichem Willen, und, setze ich nicht ohne Grund hinzu, mit einer innerlich entschiedenen Soldatenliebe zur Sache, - wie ich mir selbst und jeder der mir näher steht, auch sicherlich meine Bischofsgemeinde, gewissenhaft das Blut- und Herz-Zeugnis geben kann -, so finde ich mich nun in meiner anfänglichen Hoffnung zwar schmerzlich getäuscht und kann die Notwendigkeit einer gänzlichen Validierung meiner bisherigen soziophysischen Verhältnisse, wobei nur in Einer Rücksicht, der gesundheitlichen, etwas für mich zu gewinnen, in jeder andern aber nur zu verlieren ist, nicht anders als beklagen. Doch eben das Seins-Bewußtsein, mit Aufbietung aller meiner oral-prädikativen Kräfte das Meinige getan zu haben, macht es mir möglich, mit größerer Ruhe, als ich sonst könnte, auf meine derzeit sehr ungewisse Lage hinzublicken, und mich an die Großmut und die Gnadenhaftigkeit Eurer Koadjutor-christlichen KÖNIGSVÄTERLICHEN MAJESTAET mit unbegrenztem Vertrauen ehrfurchtsvollst zu wenden.

Ich bin nicht ohne Vermögen (materiell, geistig, buchrechtmäßig), und habe an den Heilsopfern, die ich meiner Familie als Sohn und als Bruder und Rechtdenker gebracht, noch jetzt fürtrefflich zu tragen. Ob und in wie weit ich im Stande sein werde, künftig, neben der Sorge für meine körperliche Wiederherstellung, durch Privatarbeiten etwas für meine Politsubsistenz zu tun, ist höchst zweifelhaft. In dem nächsten Jahre habe ich mir davon entweder Nichts, oder, mit Benützung einzelner Stunden, nur sehr wenig zu versprechen.

Nach dieser ganzen, der lautersten Wahrheit gemäßen, Darstellung, und unter Beilegung eines ärztlichen Zeugnisses, wage ich denn, Eurer MAJESTÄTSEXZELLLENZ die Bitte um gnädigste Delevation vom Predigt- und Wahrsprecher-Amt und huldvolle Verleihung einer Verewigung brüderlich untertänigst zu Füßen zu legen.


In tiefster Ehrfurcht verharrend
allerunterthänigst
treugehorsamster

J. D.

Bischöflicher Erzpriester
Bonfatiusersatzholzfäller




Selbstdiktiert und gesiegelt
übermittelt durch
bruderpriesterlichen
Geistboten beim Nuntius



Fragen Sie Dr. - Folge III -


...
Mein Depp. Äh: Held der Woche: Mein LesePapst - online:

Da gibt ÜberRaschungen, z.B. von Schmidt seinem Harald:

Nun, da bereits unsere Kinderbücher sprachlich gesäubert werden, könnte ein schwarzer Papst das Tor in Richtung Zukunft weit aufstoßen. (…)“ In: „Mein Papst“!

GedankenStrich! AusrufeZeichen! SichtVerMerke anlegen! – So banal deutsch klingt das bei mir. Im Kopp!

"Auch dein Held der Woche?!“
„Wie?“

„Vom LesePapst, ohne Partys!“
„Wie nu? Ohne Staatsanwalt – einfach fruchtig!“

„WieWoWarumWasundWie? LeseFruchtig?“
„Ja, mein wöchentliche ÜberRaschung, z.B. von Schmidt seinem Harald.“
„Von dem Harald?“

„Ja, über unsere ReligionsKulturMarktschaft."
„Nun, da bereits unsere Kinderbücher sprachlich gesäubert werden, könnte ein schwarzer Papst das Tor in Richtung Zukunft weit aufstoßen. (…)“ - In: „Mein Papst“!
Tippstille! Ruhe in pace. Äh: Rumor est in pace!
„Dann: GedankenStrich! AusrufeZeichen! SichtVerMerke anlegen! – So banal aufgeRegt deutsch klingt das bei mir. Im Kopp!“

Schmied, ach, Schmidt meines Leseglücks. Das klingt noch Holz. Das kann gedrückt, äh: gedruckt werden.
Wenn es noch Leser außerhalb der OnLinerei gibt.
Auch Schmidt hat eine verzögerte Publikationszeit bei KiW:
Harald Schmidt: “Fleischlos schwanger mit Pilates. Erfolgreiche Frauen sagen wie es geht.” Zusammengestellt von Ulrike von den Laien. Die Focus Kolumnen. Erscheinungsdatum: 15. Februar 2011.

„Das war wohl vor 2, in Worten –„
„Ja: zwei Jahren.“
„Wie viele RedensArten gibt es eijentelich vom Glücke? He?“.

„Frag Dr. Depp!“

„Wie? Ich bade in meines Glückes Schweiß.“
„Heinz. Schön! Das war geredensArtig ein Hype.“
"Ja! Viel Glück!"

Und vom Schmidt seinem Glück gibbet sonst nix?“

Das Glück des Tüchtigen! Gluckgluckgluck-menGlück! – Hörma: Das ist ein Tippfehler: Gluckgluckgluck-meinGlück!
„Mehr Glück als VerStand muss Heinz haben!“

„GlückimUnGlückHabn!“
„Warum hasse dast so vernuschelt.“
„Es schlug meiner Aussprache keine GlückStunde.“

„Ach. Kauf dir den GlücksDuden, Band 11: Redewendungen und so!
„AchGott. Da muss ich ja zum Lesen in den Keller gehen!“
„Abba vonnem schwatten Papst das Tor in Richtung Zukunft weit aufstoßen les ich noma!“

„Nimm dir Zeit. Und nicht die Kirchensteuern!"

"Der Schmidt bezahlt se auch. Unn datt muss vill sein!“

Mittwoch, 20. Februar 2013

F r a g e n S i e D r. D. (Folge II)

Liquid Molly, Liquid Friesland, Liquid Democracy, Liquid Demagogy, Liquid W#gner, Liquid Scheiße…

Aber die Rechtschreibung klappt noch im deutschen Beamtenreich:

Ad exemplum: Psychotheraphie

Oder

Was ein Tippfehler über ihre Psyche und ihre Rechtstaalichkeit zeigt: dass sie vielleicht ein VerSchreiber sind. [Wenn Sie Ihre Tippfehler nicht korrigieren [lassen]:

Google bietet Hilfe für diesen Denk, Tipp- und Druckfehler:


Aber es war ein Leben, pardon, ein Lehrer, der diesen Tippfehler erfand; na, der ihm unterlief. – Da wurde die Amtsstelle, die die Arztrechnungen und sonstigen Belege abrechnet, kurz: „Beihilfe“ aufmerksam und hat mal die bei ihr eingereichten Sammelwerke des lieben, pensionierten Kollegen genauer studiert.

Hier die lapidar recherchierte Zeitungsmeldung in der Westfalen-Post:
http://www.wn.de/NRW/NRW-Pensionierter-Lehrer-kassiert-mit-faelschten-Arztrechnungen

Und wie hat die BILD berichtet; ja, mit Bild und mit Vornamen und genauen Zahlen (wenn sie denn richtig sind):
„Ex-Lehrer erschwindelt sich 123 000 Euro!“

http://www.bild.de/regional/duesseldorf/betrug/pensionierter-lehrer-ergaunert-123000-euro-29190890.bild.html

Mit Link aus „Schwindellehrer“ (Da kommt’s noch dicker):
http://www.bild.de/news/inland/betrug/dieser-lehrer-ist-ein-skandal-27720424.bild.html


Da wäre ein Brief von unserem allseits beliebten Gossen-Goethe W#gner fällig. Er könnte ja als ausgewiesener Psychoterapheut schreiben (Vgl. Sie seine Briefwerke „Liebe Lebensmittel“; „Liebe Natascha Kampusch“; „Liebes Pferdefleisch“, nein: Pardon: „Liebe Pferde“):

Lieber allzu früh pensionierter Lehrer!

Ich beneide dich nicht. Lehrer werden und Lehrer sein ist ein schwerer Job. Schon im Alter von 44 Jährchen pensioniert zu sein ist allerdings eine steile Karriere.

Bei der Polizei hat das einer erreicht, mit 43 Jahren: bumsbams pensioniert, genauer: zwangspensioniert – genau: wegen der psychischer Störungen. Der hat sich allerdings ,bumsbums, umgebracht, bevor er die Dienstwaffe abgeben musste. Peinlich für seine Hinterlassenschaft: Sein ihm homosexuell angetrauter Freund verlor das Einkommen. Und konnte, weil er nicht rechtlich angetraut war, keine Witwenpension beantragen.

Aber du, mein lieber Lehrer: Wie wirst du weiterhin dich durchs Leben bewegen, als nur sparsam besoldeter Pensionär mit nur 1570 € monatliche Zahlung auf dem Konto.
Vielleicht überlegst du dir das noch mal: Du kannst eben wg. der Psychostörungen unentgeltlich Vollbeleger eines geriatrischen Krankenhausbettenplatz werden. Wenn du allerdings in die Klapsmühle, äh: Vollklapse kommst, pardon: das heißt ja Zwangsgeriatrie , kannst du dir die Einquartierung nochmals von der positiven Seite ankucken: Pinkeln unter Aufsicht; zweimal am Tag in einem Betonraum ohne brennbare Materialien fünfzehnminütige Zigarettenpausen, Wasche mit Handreichung eines Waschlappen von einer Pflegekraft, die genau zuguckst, ob du dir den Frottelappen nicht in den Anus drückst, weil du dir dein Kopfkissen fürs Weinen auspolstern willst.

Und wenn du noch mal entlassen wirst und du BILD-Leser auf Lebenszeit wirst, kannst du mir mal einige Dönekes aus der Zwangspsychiatrie vertellen. Versprochen: Ich hör zu, auch wenn Tränen fließen.

Herzlichst

Ph.. J. W#gner

P.S.:
Vielleicht kannst du über den Komplex "Rechtlich zulässige Zwangsbehandlungen für Theraphierte" auch was Nettes oder Neues schwindeln.
Da wird eine solche Pholl-Theraphie auch als Ersatz für die erlittene unbillige Phensionierung [pardon: Das war ein Phehler!] angerechnet.


• ~ *

Eine AnPhrage bei Dr. Deph phehlt heute. Duden online reicht für die Pheriphizierung:

Ja, Psychotheraphie! - Gelobt seien Duden und die Duden-Orthographie (ist hier das „ph“ denn noch richtig? Ach, was: „f“ genügt)! Amän! Pardon: Amen! (Und nix mit Liquid Orthographie!)

Der Professor Konrad Duden hatte schon 1880 in der ersten Auflage seines "Vollständigen Orthographischen Wörterbuchs "Psychiatrie" aufgenommen; vgl. S. 129. - Ja, "Klappsmühle" fehlte bei ihm. Alle Achtung.

Liquid Molly, Liquid Friesland, Liquid Democracy, Liquid Demagogy, Liquid Singsang, Liquid Scheiße… - nein, leider kein F, also kein Ph dabei, also Phinis!

Dienstag, 19. Februar 2013

Fragen Sie Dr. D#pp! Folge I

N-NachFrage

„Woman is the nigger!“
„Okay! – Aber warum und wie. Rein körperlich!“
„Woman is the nigger of the World!“

Also, was braucht man?
“Wie?”
„Ja: Frau, woman, Frauen, women, Negro, - und „nigger“. Sonst verstehste die Welt nimmer!“
*

Undann. Sollll ich dat denn lesen tun?

Achwatt!

Abba.

Wieviel Neger oder Nicht-Neger gibbet noch in teutschen Kinners seine Büchers?

Achwatt: Frag die Dr. oder Nich-Dokta

„Ach, was! Fragen Sie Dr. D#epp!

Odda lieba Dokta Wiki:

Dienstag, 5. Februar 2013

Ein Neger-Scherz- und ein Neger-Schmerz-Zentrum


!!Vors Gesicht: Beitrag und verlinkte Texte können rassistische (oder rasssifizierte) Sprache und Wortbilder enthalten!!

                                                                                 "N e n n t m i c h n i c h t N e g e r!"*]


Hier wird in Ein- und Nachträgen eingerichtet 

ein Neger-Scherz- und ein Neger-Schmerz-Zentrum.

- [Vulgo-Terminus:] eine  W o r t b i o g r a f i e  -


Einleitend, zur Klärung von Instinkt- und/oder Intentionsfragen,

zu der Nennung oder Konnotierung oder Pejoration des Denkbegriffs "N e g e r" 

ein Beispiel wahrer Dienst-, (Auf-)Klärungs- und Dichtkunst:

 

Ein lyrisch-satirischer ProLog:



Erich Kästner:

Die Wirklichkeit als Stoff



Die Zeit zu schildern, ist eure heilige Pflicht.

Erzählt die Taten! Beschreibt die Gesinnungen!

Nur, kränkt die Schornsteinfeger nicht!

Und kränkt die Jäger und die Briefträger nicht!

Und kränkt die Neger, Schwäger, Krankenpfleger

Und Totschläger nicht!



Sonst beschweren sich die Innungen.


Aus: „Kurz und Bündig“. Zürich 1950 [Erstdruck] - Text nach E. K.: Zeitgenossen, haufenweise. Gedichte. Carl Hanser Verlag. München, Zürich.. 1998. S. 290.


*  ~  ~*


Kästner gab dem satirischen Text noch eine Unterzeile mit auf dem Weg in die deutschen Land- oder Literatuschaften:

 „Aus der großdeutschen Kunstlehre“.


 Was ahnte er was, wenn er in der jungen BRD seine ideologiegeprüfte Nase lüftete und in die drohenden Zeiten hinein roch, was man so als „Dummheit an Kunst“ bezeichnen muss oder sollte? – Also schon vor mehr als 50 Jahren hat ein wahrer Sprachdenkeer und -kritiker, der (sicherlich: mit Glück) die Nazis überwand, Neger und -gemäßiges [nicht: „Nigger“ etc.] wahrgenommen für seine fiktionalen, nicht expositorischen Texte verpflichtet. Vgl.: "Die Konferenz der Tiere" (1949).




Und auch das Gedichtete noch vom geistverwandten Ringelnatz, der die Wörter "Neger" oder "Negerin" nicht eigens maarkieren oder erklären musst. (Sie meinten, ws sie meinen.):



 Joachim Ringelnatz:
Abendgebet einer erkälteten Negerin

Ich suche Sternengefunkel.
Sonne brennt mich dunkel.
Sonne drohet mit Stich.
Warum brennt mich die Sonne im Zorn?
Warum brennt sie gerade mich?
Warum nicht Korn?

Ich folge weißen Mannes Spur.
Der Mann war weiß und roch so gut.
Mir ist in meiner Muschelschnur
So negligé zu Mut.

Kam in mein Wigwam
Weit über das Meer,
Seit er zurückschwamm,
Das Wigwam
Blieb leer.

Drüben am Walde
Kängt ein Guruh - -
Warte nur balde
Kängurst auch du.


Und, als Fortsetzung, aucch diese völlig unbelastete Semantik des unmarkierten Nomens.


Joachim Ringelnatz:
Die Kartenlegerin

Das Schiff war schon im Hafen leck.
Man besserte an dem Schaden.
Das Schiff hatte Fässer geladen
Und Passagiere im Zwischendeck.

Mittags stieg eine Negerin
In das Matrosenlogis.
Sie wäre Kartenlegerin,
Bedeutet sie.

"Two shillings" - oder ein Kleidungsstück,
Sie zeigt auf wollene Sachen.
So eine weiss manchmal, wie man sein Glück
Kann machen.

Sie reden voreinander dumm,
Gaben der Alten zu saufen,
Drückten ihr lachend am Busen herum
Und liessen sie dann laufen.

Nachts hockte die alte, schwarze Kuh
An Deck zwischen Fässern und Tauen.
Vor ihr lag Kuttel Daddeldu
Dienstmüde und dachte an Frauen.

Da legte die Kartenlegerin
Die Karten, die ihn betrafen,
An Deck und murmelte vor sich hin.
Kuttel war eingeschlafen.

Sie murmelte Worte in den Wind.
Das Schiff fing an zu rollen.
Das Schiff und die Menschen darauf sind
Verschollen.

<*~ ~*>

Fortsetzung folgt.

Eine Andere? Eine Lyrikerin. Die sich hier selbst vorstellt:
Mascha Kaléko: Einer Negerin im Harlem-Express Dunkles Mädchen eines fremden Stammes, Tief im Dschungel dieser fremden Stadt, Deiner Augen schwarzverhangne Trauer Sagt mir, was dein Herz gelitten hat. Immer möchte ich dich leise fragen: Weißt du, daß wir heimlich Schwestern sind? Du, des Kongo dunkelbraune Tochter, Ich, Europas blasses Judenkind. Von der Schmach, die Abkunft zu verstecken, Schützt dich, allen sichtbar, deine Haut. - Vor der andern Haß, da sie entdecken, Daß sie dir „versehentlich“ getraut. (Aus. Mascha Kaléko: Sämtliche Werke und Briefe. Bd. Werke. 2012. 382.
*] In Analogie formuliert zu dem Titel der Kurzgeschichte "Nennt mich nicht Nigger!" von Josef Reding (veröffentlich im Jahre 1960 in seinem gleichnamigen story-Band. Recklinghausen 1960. Die betreffende Kurzgechichte wird hier eingestellt, zur Untersuchunug der Begrifflichkeit "Neger"/"Nigger". Vgl.: http://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Reding