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Mittwoch, 22. Januar 2014

Thomas Manns Schreibtisch


Frau Inge Jens über das behäbig gnädig große Schreibmöbel des Literaturmeisters, ja –zauberers, wie ihn seine eigene Kinder nannten, deren kindliche Präsenz als Zuhörer von Mutter und Vater frontal organisiert wurde.

I. J.: Am Schreibtisch. Thomas Mann und seine Welt. 1. Auflage Dezember 2013.


Sie zitiert den litauischen Literaten Leonas Stepanauskas:
„Es war kein großes Zimmer … ein Raum mit einem schrägen Dach. Ein Mansardenzimmer. Aber mit Blick auf das Haff. […] Die Hauptsache war dort naturgemäß sein Schreibtisch. Es war ein ganze einfaches Möbel, das eine Memeler Firma verkauft oder angefertigt hatte.“ (S. 28)

„Das Thema des Umgangs mit den durch die Emigration verlorenen Arbeitsmöglichkeiten begann, mich zu interessieren. Also entschied ich mich, trotz aller gegenteiligen
Vorsätze, noch einmal zu Thomas Mann zurückzukehren und mich etwas eingehender mit jenem Schreibtisch zu befassen, dessen Geschichte für mich auf eine ganz besondere
Art auch das Schicksal des über Nacht heimatlos gewordenen Schriftstellers spiegelt.“ (S. 15)
So beschreibt Frau Jens den Schreibtisch, den Thomas Mann, der Literaturpreis-Genobelte, in Nidden zurücklassen musste:

Eine Fotografie fügt sie nicht bei. Aber eine solche ist rasch greifbar, in: Thomas Sprechers Literatur-Magazin „Alles ist weglos“. Thomas Mann in Nidden. (Sonderheft 89/2000) Marbach 2000, S. 73, als Wiedergabe einer Aufnahme von Fritz Krauskopf. Juli 1931.
Einiges von Jens Benannte findet sich hier im Bild bestätigt.
Vom „sommerlichen Blumenstrauß“, den Frau Jens erwähnt, sehe ich dort aber nichts. Es muss also unterschiedliche Aufnahmen vom Niddener Schreibtisch in Manns Ferienhaus.

Panzerschlacht

Oh, weh: eine deutsche Panzerschlacht? Unseligen Angedenkens: „Kursk“ oder weiteres Elend?

„Panzerschlacht im Klassenzimmer.“ [Ein Schulleiter und eine Junglehrerin…] Interview von Kilian Kirchgeßner. In CARTA 2020. 2014. S. 44ff.


Renner [Schulleiter i.R.]:

„Das haben wir damals in unserem Englischunterricht gemacht, als wir selbst noch in der Schule waren: Die Schüler in der Tür- und die Fensterreihe sind aufgestanden, damit der Lehrer nicht seitlich ausbrechen, und dann ist die mittlere Reihe vorgerückt und hat ihn an die Tafel geschoben. Der Lehrer hatte uns fürchterlich gereizt, der hatte keine Autorität. Schon als junger Lehrer habe ich mir immer überlegt, wie ich reagieren würde, falls meine Schüler das einmal mit mir machen. Ich hätte mich wohl zu ihnen in die Reihe gestellt und einfach mitgemacht – das ist besser, als allein gegen die Übermacht zu stehen.“

Prost & horrido!! Ihr Krieger, die ihr euch der Lehrer nur mit kriegerischer Mobilität wehren konntet! Unbekannt, wer es euch gelehrt hat.
Aber es müssen die Fünfziger (der 19er Jahre) gewesen sein, als noch die direkte Erinnerung bei den Lehrschen an Panzerschlachten vorhanden war.

Später wurden die Panzersperren von den Leehrschen weggeräumt.

Mittwoch, 15. Januar 2014

"... gefühlt (e)"

„G e f ü h l t (-e)“:

Kommissarische Texte – II –

Okay, kennt man!
Wie oft verkolumnet:

„Gefühle Temperatur“
„Gefühlter Sieg“
„Gefühlter deutscher Meister“
„Gefühlte Echtheit“
„Gefühlter Vogelbauer“
„Gefühlter Lausbub“
„Gefühlte Demokratie“
et cetera (inspirativa).

Bitte, sehr, vom Normalgefühl oder dem Normal-Gefühlten:
„Ist das richtig? GISEVIUS: Da ich nicht selber mehr dazu gehört habe, kann ich nur sagen, daß ich annehme, daß sich diese Stahlhelmer sehr unwohl gefühlt haben in ihrer neuen Gemeinschaft.“ (Einhundertvierzehnter Tag. Donnerstag, 25. April 1946, in: Der Nürnberger Prozeß. 1946. S. 14680)


Nu, ich frage nach: … eine „gefühlte Wahrheit“?

Darf Wahrheit „gefühlt“ sein? Ist es dann noch die Wahrheit, die wir mit ihren Namen nicht oberflächlich aufrufen (außer, wenn wir notorische (aber nicht „gefühlte“!) Lügner sind!)

Also, ran ans wahre, nicht gefühlte Zitat:

“’Uit eten nergens zo duur als in Nederland’”, so lautete gestern die Überschrift eines Beitrags auf der Website von De Standaard. Dies entspricht auch der gefühlten Wahrheit, wie wohl jeder bestätigen wird, der beispielsweise mal in einem der vielen Restaurants in Amsterdam gegessen hat. Oft sehr nett, aber meist auch deutlich teurer als ein vergleichbares Restaurant in Deutschland.“



Ich werde fortan von der „gefühlten Wahrheit“ nur sprechen, wenn ich in der Psychiatrie oder im Strafvollzug einsitze, ob gefühlt oder real… - Versprochen!
Fast täglich Nachrichten, Meinungen und gefühlt gute Beitrage über Niederlandia im BLOG Nederlands:
http://blogs.fu-berlin.de/nederlands/2014/01/14/op-restaurant

"S t r a t e g i s c h"

Kommissarische Texte – III -

- Ich werde zu Fundstellen, Zitaten, kenntlich gemachten Plagiaten begleitende Texte und -chen veröffentlichen, in unruhiger Folge. -


Clickan die Anzeige eines würdigen geistigen Instituts: bischöflich-gymnasial-fundamentale Ziele:



Semantische Einübung: taktisch gesehen.


Zum heiß gelaufenen Adjektiv „strategisch“ nachgedacht:


Seit wann bedeutet „strategisch“ im Unterschied zu „taktisch“ nicht mehr eine militärische Dimension von Vorhaben und Scheitern, sprich: Menschenverachtung?

Kriegs-,. Pardon: Verteidigungsministerium Frau Dr. Ursula von der Leyen, Bonn oder Afghanistan, spricht von der strategischen Bedeutung der Familien und Kinderpolitik in der Bundeswehr…

Rückblick, ein ehrlicher Beleg:

„Darius hätte den Beschluß, die Macedonier zu umgehen, erst fassen können, als diese wirklich in Myriandos angekommen waren. Hätten die Perser den Marsch erst angetreten, während die Macedonier selbst noch auf dem Marsche zwischen Mallos und Issus waren, so hätten sie riskiert, unmittelbar beim Austritt aus den Pässen auf das feindliche Heer zu stoßen und wären damit in eine sehr üble strategische Lage geraten. Auf ein oder zwei Tage konnten sie es im voraus nicht wissen, wie lange sich die Macedonier auf ihrem Marsche aufhalten würden.“ Delbrück, Hans, Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte - Erster Teil: Das Altertum. 1900. S. 457.

2217 weitere Belege auf dwds.de einzusehen.


Strategisch evaluiert [auch so ein verbiestertes Fremdwort]: Ein dümmerer Missbrauch mit Worten und Werten ist mir nicht vorstellbar. Und ich bewege mich sozial oder sprachlich unter vielen philosophierenden oder theologisierenden A…

Bitte sehr:

„(…) auch die inhaltliche und strategische Weiterentwicklung der Gaesdonck.“

Vgl. die mühevol eehrlich formulierten Anforderungen in der Anzeige der Führungsposition des Coll. Augustinianum Gaesdonck.

Die heutige Bedeutungsverschiebung, die wie immer, signalisiert, dass andere, historische oder offen beschreibende oder gar kritische Begriffe in „Ziel“-Fragen obsolet geworden sind:
Zum Begriff „strategisch“…- äh: strategisch, nicht taktisch gesprochen? Er wird Karriere machen; unter schnarrend sich blähendem Führungspersonal, das [ein berechtigtes Neutrum-Relativpronomen] ihre Persönlichkeit
Ziel verfehlt. Aber das gängige Soll an Sprachzoll gezahlt!